Die Zecke als Überträger von Krankheiten

Von admin

Die Namen der von Zecken übertragenen Krankheiten klingen exotisch und schaurig zugleich: Powassan-Enzephalitis, Omsker Hämorrhagisches Fieber, Kyasanur-Waldkrankheit…
Wenn man dazu noch weiß, dass die Virenart, die diese Krankheiten auslöst, auch Dengue-Fieber, Gelbfieber und Hepatitis-C im Showprogramm hat, kann man durchaus weiche Knie bekommen. Allerdings werden letztere Krankheiten von Stechmücken und durch Blutkontakt übertragen und Erstere zumeist nur Tieren gefährlich. Doch was ist mit uns Menschen?

Jene Krankheiten beim Menschen, die der Laie mit Zecken am häufigsten in Verbindung bringt, sind Borreliose und FSME (Frühjahr-Sommer-Meningoenzephalitis).
Bei der Infektion mit den Krankheitserregern stellen Zecken lediglich so genannte Vektoren, also Überträger, dar. Die Erreger “lagern” hauptsächlich in Reservoiren – also den Säugetieren, an denen es sich Zecken gütlich tun. Generell wird die Infektionsübertragungsrate von Zecken auf den Menschen auf 25 Prozent geschätzt – es sind also mehr Zecken mit Krankheitserregern infiziert, als lange Zeit vermutet wurde.

Borreliose

Die in Europa am häufigsten vorkommende, von Ixodes ricinus (Zecke, “Holzbock”) übertragene Krankheit ist die Lyme-Borreliose. Sie wurde nach der US-Stadt Lyme in Connecticut benannt, in der die Krankheit erstmals beschrieben wurde.
Ihr Erreger ist die Bakterie Borrelia burgdorferi, die zur Klasse der Spirochäten gehört, zu denen auch der Syphiliserreger Treponema zählt.
Tatsächlich weisen beide Krankheiten Parallelen auf, so durchläuft die Infektion mehrere Stadien, die durch lange „Ruhezeiten“ getrennt sein können und häufig nicht als zusammenhängendes Krankheitsbild erkannt werden.

Lyme-Borreliose ist eine Multisystemkrankheit, d.h. sie kann verschiedene Organe sowie das zentrale und periphere Nervensystem betreffen, was eine unter Umständen schlecht diagnostizierbare Symptomvielfalt bedeutet.
Nach der Übertragung der Borrelien durch den Zeckenstich setzt 10 bis 14 Tage später die menschliche Immunreaktion ein und in bis zu 70 Prozent der Infektionsfälle kommt es zu dem charakteristischen „roten Ring“ (Erythema migrans, „Wanderröte“) um die Einstichstelle.

Das erste Stadium der Lyme-Borreliose kann eine bis zehn Wochen nach dem Stich eintreten und umfasst in der Regel grippeähnliche Allgemeinsymptome (Abgeschlagenheit, Schweißausbrüche, Kopf- und Gliederschmerzen, Herzklopfen).

Wochen oder Monate später umfasst das zweite Stadium schließlich die verschiedensten Symptome: von Hirnhautentzündung über entzündliche Vorgänge an peripheren Nerven, die starke Schmerzempfindungen zur Folge haben, bis zu sensorischen Störungen, z.B. Kribbelgefühl oder Heiß-Kalt-Wahrnehmung. Hirnnervenausfälle wie die Gesichtslähmung (Fazialisparese) sind das wenn auch nicht häufigste, so doch das bekannteste Symptom. Vom Nacken ausstrahlende Kopfschmerzen, Schwindelattacken und Sehstörungen kommen weitaus häufiger vor.

Eine Borreliose mit Beteiligung des Zentralnervensystems wird als Neuroborreliose bezeichnet und ist ein Sonderfall der Borrelieninfektion.
Borrelien konzentrieren sich mit Vorliebe im Bindegewebe, wo sie nur schlecht von der Immunreaktion des Körpers erreicht werden. Dort überleben sie und können noch Monate oder Jahre nach der Infektion ein unregelmäßiges Aufflammen der Symptome auslösen.
Dieses dritte, chronische Stadium ist häufig durch Gelenkentzündungen und Akrodermatitis gekennzeichnet. Dabei schwillt die Haut der Extremitäten des Erkrankten zunächst an und verfärbt sich blaurot. Später wird die Haut an diesen Stellen dünn und transparent wie Pergament.

Der beste Schutz gegen Borreliose ist die Vermeidung eines Zeckenstichs. Ist dies nicht möglich, sollte die Zecke vorsichtig entfernt und zur Untersuchung verwahrt werden. Die Einstichstelle ist zu desinfizieren und ihr Ort zu vermerken.
Es gibt Bemühungen, einen Impfstoff gegen Borreliose zu entwickeln, die allerdings von der großen Variabilität der Bakterien torpediert werden. Eine Immunisierung mit inaktiven Borrelien, gegen die das Immunsystem Antikörper bildet, ähnelt daher einem Kampf gegen Windmühlen.
Prinzipiell ist eine Behandlung mit Antibiotika das Mittel der Wahl. Je nachdem, wie viel Zeit seit der Infektion vergangen ist und wie schwer die Krankheitsausprägung ist, reichen Antibiotika in Tablettenform. Es können aber auch mehrwöchige Infusionen nötig sein.

FSME

Überträger der Frühjahr-Sommer-Meningoenzephalitis ist ebenfalls Ixodes ricinus – der Gemeine Holzbock. Über die Lymphbahnen erfolgt der Erregertransport in die Lymphknoten, wo sich das FMSE-Virus weiter vermehrt. Von dort aus gelangt das Virus besonders in die Leber, die Milz und das Knochenmark. Während der Ausbreitung im Körper zirkulieren große Mengen des Virus im Blut. Hat das Virus einmal die Blut-Hirn-Schranke überwunden, kommt es zum Absterben von Nervenzellen im Zentralnervensystem. Dieser Prozess und die dagegen einsetzende Immunreaktion führen zu einer Gehirnschwellung.

FSME verläuft in zwei Phasen. Bis zu 14 Tage nach dem Stich durch die infizierte Zecke kommt es bei rund 30 Prozent der Patienten zur typischen Ausprägung der Symptome. Diese beginnen mit einem bis zu einwöchigen Temperaturanstieg auf 38 oder 39° C. Dieser erste Fiebergipfel tritt während der Zirkulation der Viren im Blut auf (Virämie). Nach einem etwa einwöchigen Intervall kommt es zum zweiten, schnellen Fiebergipfel auf bis über 40° C mit folgenden Symptomen: virale Hirnhautentzündung (Meningitis) mit Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen und Lichtscheu. 10 Prozent der FSME-Erkrankten bilden kurz danach auch eine Gehirnentzündung (Meningoenzephalitis) mit Bewusstseinsstörungen und Lähmungen aus.
In der Hälfte der Infektionsfälle stellen sich keine Symptome ein und einem Fünftel der Patienten bleibt der Eintritt in die zweite Phase erspart. Die Diagnose FSME ist in Deutschland meldepflichtig.

Wie bei der Vorbeugung gegen Borreliose gilt auch bei FSME: nach dem Besuch eines Risikogebiets sollten Kleidung und Körper nach Zecken abgesucht werden. Kam es zu einem Zeckenstich, sollte die Zecke entfernt und verwahrt werden, während die Einstichstelle desinfiziert und ihr Ort vermerkt wird.
Anders als bei der Borreliose kann sehr gut gegen das stabile FSME-Virus geimpft werden. Der optimale Zeitpunkt zum Impfen ist die kalte Jahreszeit, damit bis zur Hochzeit der Zeckenaktivität ein ausreichender Impfschutz aufgebaut wird.
Die Impfung gegen FSME gilt bei Kritikern jedoch als noch nicht genügend getestet.

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