Spazierengehen ist nicht gleich Wandern. Wer flaniert, will entspannen, sich umschauen, vielleicht auch selbst gesehen werden. Wer wandert hat die ersten beiden Ziele sicher auch vor Augen, aber der Schweinehund ist ein stärkerer. Wanderer fangen meist in leichtem Gebiet an und brauchen dann immer längere und schwierigere Strecken. Dabei stellt sich die Verbesserung der körperlichen Fitness zusammen mit dem Genuss meist malerischer Landschaften ein. Wandern ist also rundherum vorteilhaft.
Spaziergänger sind meist allein, oft zu zweit und ab und an auch mit der erweiterten Familie unterwegs, z.B. um die Verdauung anzuregen oder Kind und Tier Bewegung zu verschaffen.
Wanderer dagegen sind häufig in Gruppen unterwegs, das hilft beim Erreichen der nicht selten hochgesteckten Ziele.
Das Wandern hatte anfänglich einen kontemplativen bzw. wissenschaftlichen Zweck. Später, im 18. und 19. Jahrhundert, sah man das Wandern auch als Möglichkeit, sich vom Adel zu distanzieren und neue Gedankenwelten zu erobern: Seht her, ich gehe, auch wenn ich es nicht müsste, und erlebe die Welt neu. Der bekannteste Deutsche Wanderer ist wohl der Leipziger Johann Gottfried Seume, der 1801 nach Sizilien und zurück nach Leipzig über Paris wanderte.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es Wandervereine; diese wurden zuerst in den Gebirgsregionen gegründet.
Beim Deutschen Wanderverband gibt es Informationen zu den deutschen Gebirgs- und Wandervereinen, dem Wanderabzeichen (ein Motivationsabzeichen, das von über 60 Krankenkassen in ihren Bonusprogrammen anerkannt wird) sowie den schönsten Wandertouren in Deutschland.
Gewandert werden kann bei fast jedem Wetter oder Untergrund – es gilt die alte Regel: Es gibt kein schlechtes (bitte einfügen), sondern nur schlechte Ausrüstung. Das wichtigste Utensil des Wanderers sind seine Schuhe. Wasserabweisend und atmungsaktiv müssen sie, knöchelhoch sollten sie sein und vor allen Dingen gut eingetragen!
Ein leichter Rucksack mit guter Rückenbelüftung und bequemen Tragschlaufen ist ebenfalls ein Muss. Ein Wanderstock vielleicht nicht, aber auch dieses traditionelle Wanderelement kann nützlich sein. Etwa wenn der Wanderer sich übernommen oder das Gelände unterschätzt hat. Auch wilde Eichhörnchen und Brombeerhecken lassen sich mit ihm zuverlässig einschüchtern.
Wer es lieber moderner hat, kann es einmal mit dem Geocaching, der GPS-Schnitzeljagd, versuchen. Und im Winter lockt die Wandervariante Skilanglauf.
Die körperliche Belastung bleibt beim Wandern idealerweise gering, doch der positive Effekt auf Herz und Kreislauf ist nicht zu unterschätzen. Die Deutsche Herzstiftung berichtet, dass Forscher diese für die Blutgefäßinnenwände, die vermehrte Bildung von Blutgefäßen und die Stärkung der Abwehrkräfte beobachten konnten. Patienten mit behandelten Herzkrankheiten können nach Rat des Arztes im Flachland unbesorgt mit dem Wandern beginnen. Bergwanderungen ab 1.500 m sollten wegen der dünnen Luft und der größeren Anstrengung vermieden werden.
Wandern ist einfach, entspannend und belohnt mit herrlichen Ausblicken und freundlicher Geselligkeit, denn Wanderer sind ein eigener Haufen und immer bereit, anderen mit Rat und Tat zu helfen.
