Heilfasten – wieso, wenn doch niemand krank ist?

Von medizini

Reinigung für Körper und Seele

Freiwilliger Nahrungsentzug über mindestens zehn Tage heißt „fasten“. Im Gegensatz zum Hungern ist diese Nahrungsverweigerung zumeist spirituell, psychosozial oder schlicht diätisch motiviert.
Gerade als Extremdiät darf das Fasten jedoch nicht verstanden werden.
Hier finden Fastenwillige eine kurze Übersicht der wichtigsten Heilfastenkuren.

Gegner und Befürworter

Seit Dr. Otto Buchinger 1935 den Begriff vom „Heilfasten“ prägte, haben unzählige Menschen mit dem Wunsch nach körperlicher und geistiger Reinigung mindestens zehn Tage lang nur Brühen, Säfte oder trockene Brötchen zu sich genommen. Und sich dabei, so berichten viele, herrlich gefühlt.
Sie erleben Energie- und Kreativitätsschübe, die Laune hebt sich und sie fühlen sich seelisch befreit.
Tatsächlich dringen die Befürworter des Heilfastens darauf, dass die Entschlackungskur ohne den Anspruch der spirituellen oder zumindest psychosozialen Regeneration meist nichts nütze, schlimmstenfalls sogar schade.

Dieses Argument lassen Skeptiker wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. natürlich nicht gelten. Die DGE sieht vor allem die Gefahr, dass Heilfasten als Maßnahme zur Gewichtsreduktion missbraucht wird. In ihren Augen sollte eine Fastenkur immer unter fachlicher Aufsicht stehen, am besten in zertifizierten Kurhäusern; nur so könne der Vorgang zu einer gesundheitsorientierten Ernährungsumstellung und Änderung des Lebensstil führen.
Viele Ärzte und Mediziner lehnen das beliebte Pro-Argument der Entgiftung mit dem Hinweis ab, dass Schadstoffe, die Allergien und Infekte auslösen nicht durch eine einmalige Aktion ausgesondert werden. Wir kommen über die Nahrung ständig mit minderwertigen Stoffen in Kontakt – und scheiden sie kontinuierlich über Leber, Niere und Haut aus.

Die physiologischen Aspekte

Wer sich für eine Fastenkur entschieden hat, sollte sich mindestens zehn Tage in einer kräfteschonenden Phase des Jahres aussuchen und sich gut vorbereiten.
Direkt vor dem Nahrungsentzug müssen mindestens zwei Minimierungstage liegen, in denen man auf Fleisch und andere tierische Eiweiße verzichtet und stattdessen Obst oder Rohkost, eventuell noch Reis, zu sich nimmt. Süßwaren und Genussmittel wie Zigaretten und Alkohol sind natürlich ebenfalls verboten.
In dieser Zeit wird der Darm entleert. Dies geschieht entweder mithilfe von Einläufen (Klistieren) oder natürlichen Abführmitteln.

Nach ein bis zwei Fastentagen setzt der Hungerstoffwechsel ein. Das heißt, der Abbau der Fett- und Eiweißreserven des Körpers beginnt und es bilden sich spezielle Verbindungen zur Energiegewinnung (z.B. Aceton), die Mund- und Körpergeruch auslösen, aber wieder ausgeschieden werden. Dies kann Kopfschmerzen, Gichtanfälle sowie Blasen- und Nierensteine begünstigen. Außerdem kann es anfangs zu erhöhter Müdigkeit und verminderter Konzentrationsfähigkeit kommen. Im Verlauf des Fasten normalisiert sich dieser Zustand meist wieder.
Der Körper wird entwässert und schwemmt dabei Mineralien aus (z.B. Kalium und Natriumchlorid). Der Blutdruck sinkt, was Kreislauf und Herz entlastet und das Atmen eventuell erleichtert. Der Körper erleichtert sich die Hungerphase mit erhöhter Endorphinausschüttung, die die Laune hebt.
Mehrwöchiges Fasten kann im Zuge des Eiweißabbaus den Herzmuskel angreifen!

Gegen Ende der Fastenkur muss sich der Körper wieder an feste Nahrung gewöhnen. Man kann mit Obst- oder Gemüsepüree anfangen, sollte aber auf keinen Fall schlingen. Dann kommen ständig mehr Lebensmittel hinzu, am besten natürlich allgemein als „gesund“ anerkannte wie Getreideprodukte, Joghurt, Obst und Gemüse. Zu schnell zu viel und zu mächtig, lockt die Pfunde sofort wieder herbei und zeigen, das eine gedankliche Umstellung während des Heilfastens nicht erfolgt ist – die Anstrengung war umsonst.

Wer ist nicht geeignet?

Folgenden Gruppen wird in der Regel vom Heilfasten abgeraten:
- schwangere/stillende Frauen
- Kinder unter 10 Jahren
- Untergewichtige
- Krebspatienten
- Typ-1-Diabetiker
- Bluter
- Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion
- Menschen mit Durchblutungsstörungen des Gehirns.

Grundsätzlich sollte jeder, der fasten möchte, vorher mit seinem Hausarzt oder einem Magen-Darm-Spezialisten absprechen.
Viele Mediziner werden wahrscheinlich statt des Heilfastens eine fleischlose, obst- und gemüselastige Ernährung propagieren, die Zucker und Alkohol nur in geringen Mengen zulässt.

Die bekanntesten Kuren

Am bekanntesten ist das Fasten nach Dr. Buchinger (1878 bis 1966). Der Arzt entwickelte die klassische Form des Heilfastens nach eigener schwerer Krankheit. Es handelt sich um eine niederkalorische Trinkkur bis maximal vierzig Tage. Währenddessen nimmt der Fastende nur frische Gemüsebrühen und Säfte sowie Tees und Wasser zu sich (250-500 kcal. täglich).
Sie soll die körpereigenen Heilungsprozesse aktivieren und die Sinne normalisieren. Diese Heilfastenmethode ist ausdrücklich keine reine Abnehmkur. Das Buchinger-Heilfasten wird in vielen Kur- und Fastenkliniken angeboten und begeistert angenommen.

Franz Xaver Mayr (1875 bis 1965) entwickelte in Österreich die Fastenkur der drei Säulen auf Basis des gesunden Darms: Schonung, Säuberung, Schulung. Sein Ziel war ebenfalls die Einführung einer gesunden Ernährungs- und Lebensweise nach einer Reinigung von Körper und Geist. Zu Brühen und Säften darf man aber täglich altbackene Brötchen und etwas frische Milch zu sich nehmen.
Regelmäßige Bauchmassagen sind ein fester Bestandteil.

Die Schrothkur – benannt nach dem Bauern Johann Schroth (1798 bis 1856) – ist keine reine Trinkkur, sondern gliedert sich in Trocken- und Trinktage mit täglichen Dunstwickeln.
Trockene Brötchen sind immer erlaubt, ebenso (in geringen Mengen) Reis, Hafer, Grieß und Gemüse. An Trockentagen außerdem Breie und Brote, Trockenobst und Nüsse. Zusätzlich ist ein Liter Flüssigkeit vorgeschrieben, an Trinktagen auch zwei. Ursprünglich handelte es sich dabei um Weißwein, heute dagegen sind es Obst- und Gemüsesäfte.
Dunstwickel bestehen aus kalten, feuchten Laken, die um den Fastenden geschlungen und wiederum von dickem, warmem Bettzeug abgedeckt werden. Die Temperaturerhöhung des Körpers um ca. 2° C soll den Stoffwechsel anregen und zur Entgiftung beitragen.

Beliebt sind außerdem ideologiefrei Molke- und Früchtekuren. Bei Erstere werden täglich etwa ein Liter Molke und drei Liter Kräutertee, Wasser und Gemüsebrühe getrunken, bei Letzterer sind etwa ein Kilo Obst plus Kräutertee und Wasser am Tag erlaubt. Eine Früchtekur kann auch an einzelnen Tagen, z.B. einmal pro Woche, abgehalten werden.

Hinweis: Die hier aufgeführten Informationen dürfen nicht zur Selbstbehandlung herangezogen werden; sie ersetzen nicht den Arztbesuch.

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