Die Zecke – Ein Parasit auf der Pirsch

Von admin

Das Thema Zecken ist für viele Menschen sehr unangenehm. Schnell und meist unbemerkt hat man sich einen Zeckenbiss zugezogen, vor allem wenn man im Sommer viel in der Natur unterwegs ist. Die wichtigsten Fragen sind dabei, wie man einen Zeckenbiss vermeiden kann und vor allem: Wie kann ich die Zecke wieder loswerden?

Es fällt wirklich nicht leicht, der Zecke objektiv gegenüberzutreten. Die Gefühle, die wir diesem Spinnentier entgegenbringen, liegen eindeutig auf der negativen Seite der Emotionsskala: wir finden es ekelerregend und sehen in ihm einen hartnäckigen Parasiten, einen gefährlichen Blutsauger.

Innerhalb der Arachniden-Klasse gehört die Zecke zur Unterklasse der Milben. Tatsächlich SIND Zecken nichts anderes als übergroße Milben. Es gibt zwei Arten: die Lederzecken und die höher entwickelte Schildzecken.

Während sich die Mundwerkzeuge der Lederzecke unter dem weichen, dehnbaren Hautsack befinden, sind die der Schildzecke nach vorn gerichtet und somit deutlich erkennbar. Ihren Hautsack schützt eine Art Chitinschild. Diese „harten Schale“ bewahrt sie häufig vor dem Zerquetschtwerden.

Von den 19 Gattungen der Schildzecke ist Ixodes ricinus - der Gemeine Holzbock – in Mitteleuropa am bekanntesten und am meisten gefürchtet. Er kann ein Überträger für die Erreger von Borreliose und FSME (Frühjahr-Sommer-Meningoenzephalitis) sein. Diese Zeckenart gilt als Generalist, denn sie ist nicht auf einen bestimmten Wirt spezialisiert, sondern befällt alle Wirbeltiere. Um sie soll es in den folgenden Abschnitten gehen.

Wo und wie die Zecke auf uns lauert

Zecken lieben Feuchte und Wärme, daher sind sie nach einem sommerlichen Regentag besonders aktiv. Sie bewegen sich bevorzugt am Wald- und Wiesenrand, an Bachböschungen und generell in Gebüsch und Unterholz. Zecken überwintern zwar, sind aber nie vollkommen inaktiv.  Seit langen kursiert der Aberglaube, dass Zecken sich von Bäumen auf ihre Opfer herabfallen lassen. Tatsächlich finden sich Zecken jedoch nicht höher als einen Meter über dem Boden. Innerhalb dieser Vegetationsgrenze durchläuft die Schildzecke drei Entwicklungsstadien: nach dem Schlupf sucht sich die sechsbeinige Larve kleine Säugetiere als Wirt. Nach der Häutung zur achtbeinigen Nymphe interessiert sie sich für größere Säugetiere, wie Hunde, Katzen oder Vögel. Wiederum nach erfolgter Häutung befällt die adulte Zecke auch Menschen, um sich auf die Eiablage vorzubereiten.

Den Wirt erkennt die Zecke mit ihrem Hallerschen Organ an den Enden der Vorderbeine. Mit diesem Organ nimmt sie hauptsächlich chemische Reize wahr, unter anderem Schweißabsonderungen oder Kohlendioxid beim Ausatmen. Gleichzeitig registriert die Zecke über das Hallersche Organ auch thermische und mechanische Reize. Allerdings macht erst die Kombination der chemischen Stoffe den potenziellen Wirt für die Zecke interessant und sie sucht seine Nähe.

Zecken bevorzugen dünnhäutige, feuchte Stellen auf dem Wirt, zum Beispiel die Achsel- oder Leistengegenden. Die Suche nach der passenden Stichstelle kann die wählerische Zecke stundenlang in Anspruch nehmen. Hat sie den idealen Ort schließlich gefunden, ritzt sie mit einem Teil ihrer Mundwerkzeuge, den Chelizeren, die Haut an und versenkt den Stichapparat aus Chitin, das Hypostom, in der Haut. Das Hypostom ist mit Widerhaken besetzt, wodurch die Zecke zunächst schwer vom Wirt zu trennen ist.

Betäubender Speichel lässt den Wirt vom Zeckenstich nichts wahrnehmen. Gleichzeitig hemmt die Substanz die Blutgerinnung und bewirkt die Auflösung des umliegenden Gewebes. Diesen Gewebebrei saugt die Zecke auf – und zwar je nach Entwicklungsstadium 3 bis 7 Tage lang. Es sind allerdings nur die Weibchen, die dabei auf ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Größe anwachsen. Adulte Männchen und Weibchen finden sich bei der Nahrungsaufnahme und erfüllen ihre biologische Funktion. Danach fallen die Männchen vom Wirt ab und sterben.

Die Weibchen nutzen die enorme Nahrungsmenge zur Produktion von mehreren tausend Eiern, nach deren Ablage auch sie schließlich sterben.

Kann man sich schützen?

Kleine Krabbeltiere in kniehoher Vegetation gegen bloße Füße beim sommerlichen Gartenspaß – bei dieser Kombination scheinen die Chancen ungleich verteilt zu sein.

Tatsächlich gibt es vor der Zecke kein Entkommen und auch kein Insektizid für’s unbekümmerte Schlendern und Toben. Soll man dann die Socken bis zum Knie über die Hose ziehen und nur von Stein zu Stein hüpfen?

Nun, ja. Ja. Tatsächlich ist dies die effektivste Methode gegen diese verbohrten Spinnentiere und damit gegen Borreliose und FSME. Wer sich nicht zu dieser ästhetisch unbefriedigenden Lösung durchringen kann, dem helfen nur scharfe Augen. Auf heller Kleidung sind Zecken gut zu erkennen und somit nach dem Aufenthalt an der frischen Luft leichter abzusammeln. Als Nächstes steht eine genaue Körperinspektion an, denn häufig findet man noch unentschlossene Zecken, die noch nicht die passende Stelle zum Zustechen gefunden haben.

Wie entfernen?

Ist es bereits zu spät und die Zecke hat es sich am Körper gemütlich gemacht, nehme man eine sehr feine Pinzette, greife das Tier an den Mundwerkzeugen und ziehe es unter leichtem Drehen und Rütteln heraus. Eventuell feststeckende Köpfe können ruhig in der Haut verbleiben, sie stellen keine Infektionsherde dar und eitern heraus.

Studien haben ergeben, dass es innerhalb der ersten 12 Stunden nach dem Stich kaum je zu einer Infektion kommt. Nach 24 Stunden beträgt die Übertragungsrate dann allerdings schon etwa 30 Prozent, und bis 72 Stunden nach dem Stich ist es praktisch sicher, dass eine infizierte Zecke die Erreger auch auf seinen neuen Wirt übertragen hat. Beim Entfernen gilt: niemals die Zecke quetschen, damit injiziert man sich quasi selbst mit eventuellen Krankheitserregern! Auch die alte Regel, die Zecke mit Ölen oder Klebstoffen zu ersticken, ist kontraproduktiv, da der gestresste Parasit seine Drüsen ebenfalls schneller entleert.

Abwehrmittel, die so genannten Repellents, bieten nur einen kurzzeitigen Schutz, der teilweise sogar nur wenige Minuten anhält. Sie versprechen die Abschreckung von Zecken durch das Auftragen von Duftstoffen, wirken aber nicht bei allen Zeckenstadien gleich gut. Repellents allein sind kein zuverlässiger Schutz, daher dürfen die oben genannten Verhaltensweisen nach einem Aufenthalt mit Graskontakt in Risikogebieten nicht ausbleiben.

Fazit: die Aufmerksamkeit auf den Körper lenken und bei verräterischen Rötungen schnell zum Arzt. Dieser berät auch über die Vorteile einer FSME-Impfung in Gebieten mit hoher Durchseuchung.

Im nächsten Artikel widmen wir uns der von der Zecke übertragenen Krankheiten.

Hinweis: Die hier aufgeführten Informationen dürfen nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung herangezogen werden; sie ersetzen nicht den Arztbesuch.

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